Kieler Erfindung rettet vor Schlaganfall-Folgeschäden.

Ein Schlaganfall war früher eine Erkrankung des Alters, doch heute erleiden immer häufiger auch jüngere Menschen diesen gefährlichen Hirninfarkt. Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) weisen immer wieder auf die unterschätzten Risikofaktoren der Erkrankung hin: hoher Blutdruck, Rauchen, hohe Blutzuckerwerte (Diabetes), Bewegungsmangel und falsche Ernährung. In Deutschland ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache und der häufigste Grund für Behinderungen bei Erwachsenen, weltweit haben im Jahr 2010 schätzungsweise 16,9 Millionen Menschen einen Schlaganfall erlitten, 5,9 Millionen von ihnen sind durch den Hirninfarkt gestorben. 

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Weltweit ist es in den letzten 20 Jahren zu einem Anstieg der Schlaganfälle um 68 Prozent gekommen. Die Zahl der Todesfälle nahm um 26 Prozent, die Zahl der Lebensjahre mit Behinderungen um 12 Prozent zu. Doch nun soll eine revolutionäre Erfindung aus Kiel helfen, Schlaganfallpatienten vor den Langzeitschäden des Hirninfarkts zu bewahren. 8 von 10 Schlaganfällen entstehen nach einer plötzlichen Durchblutungsstörung im Gehirn. Wenn dabei ein sehr großes Blutgerinnsel die großen Hirnarterien verstopft, dann reicht die Standardtherapie nicht aus, um das dafür verantwortliche Gerinnsel aufzulösen.

Für dieses Problem hat Prof. Dr. Olav Jansen, Direktor des Instituts für Neuroradiologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel, Abhilfe geschaffen: Der 55-Jährige hat den „Stent Retriever“ erfunden.

Dabei handelt es sich um einen 1,5 Meter langen, lediglich einen Millimeter dünnen Schlauch, an dessen Ende sich ein feines, silbernes Netz befindet, das sich herausschieben lässt. Führt man diesen am Ortungspunkt des Infarkts ein, drücken sich die winzigen Drahtstreben in das Blutgerinnsel im Gehirn. 

Youtube/ cmarmag

Ein paar Minuten dauert es, bis sich das Netz dort ausreichend fest verfangen hat, dann wird der Katheter zurückgezogen. Der Arzt kann so das Gerinnsel aus dem Gehirn entfernen – und das Blut kann wieder frei fließen.

Youtube/ cmarmag

Seit einem Jahr wird der „Stent Retriever“ auf der ganzen Welt eingesetzt. Prof. Jansen schätzt, dass zwischen 90 bis 95 Prozent der Schlaganfallpatienten mit seiner Methode erfolgreich behandelt werden können, doch das reicht ihm nicht. „Die fünf Prozent, bei denen wir die Gefäße nicht wieder aufbekommen – das tut schon weh. Wir wollen natürlich 100 Prozent.“ Nach jahrzehntelanger Forschung ist die Stent-Retriever-Methode nun die erste erfolgreiche Methode, um Patienten vor Langzeitschäden und Behinderungen zu bewahren.

Quelle:

ndrdgnnews-medical

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